Erinnern und in Erinnerung bleiben

Im Sommer 2017 führte ich im Rahmen des Projekts Virtuelles Migrationsmuseum ein Interview. Die Arbeit mit Leihgeber*innen bzw. mit Interviewpartner*innen gehört bei DOMiD zu meinen Lieblingsaufgabenbereichen. Jede Begegnung eröffnet mir neue Perspektiven und lässt mich die Geschichte besser verstehen. An jenem Sommertag war ich vielleicht ein wenig aufgeregter als sonst. Schließlich hatte es über acht Monate gedauert das Vertrauen der Person zu gewinnen, so dass sie meine Einladung nach Köln annahm.

Interview Ibrahim Arslan

İbrahim Arslan zu Besuch bei DOMiD, 3. Juli 2017

Es war das Interview mit İbrahim Arslan, der 1992 als Kind den rassistisch motivierten Brandanschlag auf sein Familienhaus in Mölln wie durch ein Wunder überlebte. Bei dem Anschlag verlor die Familie Arslan drei ihrer Familienmitglieder: Bahide Arslan, Yeliz Arslan und Ayşe Yılmaz. Er berichtete im Interview nicht nur über den Brandanschlag, sondern welche Folgen er für ihn und seine Familie hatte und heute noch hat. Erinnern und in Erinnerung bleiben ist für ihn daher unerlässlich im Kampf gegen Rassismus. Das Mitteilen seiner Geschichte helfe ihm zudem das Erlebte zu verarbeiten.

Screenshot Koran Arslan

Dieser Koran war einer der wenigen Gegenstände die Familie Arslan nach dem Brandanschlag übrigblieb. (Wohnhaus/Z3)

Nach dem Interview schauten wir uns gemeinsam die vielen Zeugnisse der Migrationsgeschichte in DOMiDs Depoträumen an. Seitdem unterstützt İbrahim Arslan die Projekte von DOMiD, die dazu beitragen die Erinnerungskultur der Migrationsgesellschaft wachzuhalten. Vielen Dank nochmal für dein Vertrauen İbrahim!

Vielleicht wundert ihr euch, warum ich diesen Post gerade heute schreibe. Ich schreibe ihn heute in Gedenken an die ermordeten Möllnerinnen, Bahide und Yeliz Arslan und Ayşe Yılmaz, die heute vor 26 Jahren ihr Leben verloren.

Screenshot Interview Arslan

İbrahim Arslan über die erkämpfte Erinnerungskultur in Deutschland

Schaut euch gerne die Ausschnitte aus İbrahim Arslans Video-Interview im Virtuellen Migrationsmuseum an. Sie sind in drei unterschiedlichen Gebäude (Wohnhaus/Z3, Bahnhofvorplatz/Z3, Kiosk im Bahnhof/Z3) zu sehen.

 

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